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Nimm Blumen mit

Nimm Blumen mit – Lieder für Eisenhüttenstadt

Herausgeber: Kulturverein Ziltendorf e.V.  unter Leitung von Mechthild Tschierschky

84 Seiten.

12,00 

Lieferzeit: 3-5 Werktage

Die Stadt hat Geburtstag. Fünfzig Jahre sind wenig für eine Stadt. Eisenhüttenstadt ist eine junge Stadt. Als erstes wurde sie mir bekannt in Guben, meiner Heimatstadt, wenn allmorgendlich die Leute zum Bahnhof strömten oder wenn sie zurückkamen von der Schicht. Ein wenig unheimlich, erinnernd an die dunklen Ströme zum Schichtbeginn in die düsteren Fabriken der Gubener Wolle, von denen zwei der riesigen Bauten in der Nähe der Neißebrücke lagen. In entgegengesetzter Richtung der Bahnhof. Nun hat diese Stadt Geburtstag. Wo sind die Lieder geblieben, die ich gesungen hatte in ihr? Wie viele überhaupt waren es? Nur wenige Jahre war ich Mitglied des EKO-Ensembles gewesen und wußte doch von so vielen Liedern und ahnte, die Zahl müßte unendlich viel größer sein.

»Nimm Blumen mit für Eisenhüttenstadt«, die Zeile schwirrte mir im Gedächtnis. Die gäbe den Titel für das Liederbuch. Alle Bewohner könnten sie singen zum Jubeltag. Das wäre ein Chor, dem im tausendjährigen Witebsk ähnlich, wo es wohl an die dreitausend Stimmen waren im gemeinsamen Gesang. Aber wo ist das Lied. Und wer hat die Noten. Bei der Suche nach diesem Lied und den anderen Liedern habe ich Dichter und Komponisten im Nachhinein kennengelernt. Nie hätte ich geglaubt, von Helmut Preißler »Abends auf einem Hügel« mit Capuccino bewirtet zu werden. Oder von Dieter Schneider auf dem Alex mit einem Kaffee. Und daß ich meinen Chorleiter Manfred Schüller bitten müßte, nach den Liedern zu suchen, denn das Archiv im Klubhaus der Gewerkschaft hatte einer vernichtet. Oder daß Günther Wendemuth mir seine Partituren vorbeibringt und auf dem nun schon legendären Klavier in der Wallstraße die Melodien prüfen würde, die die freundliche Brigitte Kluge, computererfahren, von den für mich unlesbaren Partituren in »richtige« Noten umgewandelt hatte. Daß ich dem Rudi Werion den Refrain seines eigenen Liedes am Telefon vorsingen würde, damit er sich erinnere und das verlorene Manuskript neu erstellen könnte.

»Nimm Blumen mit für Eisenhüttenstadt.« Und ihm lachend drohe, ich würde selber. Und mache es am Ende noch wahr gemeinsam mit Manfred Schüller, der unseren Chor damals dirigiert hatte. Das Archiv im Klubhaus gibt es nicht mehr, ansonsten wäre die Herausgabe dieses Buches leichter gewesen, und wir könnten die Lieder für Eisenhüttenstadt, geschrieben in fünfzig Jahren, in einem geschlossenen Band herausbringen. Vielleicht aber hätte ein Band nicht genügt, die Fülle zu fassen. Vielleicht, wenn wir wüßten, was da an Wunderbarem verlorenging, kämen die Tränen. Ich habe, im Nachhinein muß ich sagen: »leider«, meine Noten nach jeder Probe ordentlich abgegeben. Ein nicht wiedergutzumachender Fehler. Einer Odyssee gleicht die Suche nach dem Blumen-Geburtstags-Lied. Sie führte mich in die Archive von Stadt und Werk. Einmal schien es, als wäre ich am Ziel, aber bei der »Blumen«-Diskette stimmten Titel und Inhalt nicht überein. Christa Stark, Sopranistin im Ensemble-Chor, fand in ihren Unterlagen das Programmheft zum Zwanzigsten: »Nimm Blumen mit für Eisenhüttenstadt«, aber Text und Melodie des Liedes fehlten noch immer aus der Ensemble-Revue, die am 8. Mai 1970 uraufgeführt worden war. Auch Dieter Schneider, Autor der Texte dieser Revue, konnte nicht helfen. Wo ist der Keller. Dreißig Jahre waren vergangen seither, und zu Zeiten der Wende hatte kein Bedarf bestanden an diesen Texten. Ob er heute besteht? Wie dem auch sei. Mich verlangt nach den Liedern, auch wenn sie nicht alle mehr in die Landschaft zu passen scheinen. Lieder vom Frieden und Lieder von der Verantwortung für die Kinder, Lieder von der Freude am Schaffen und Bauen, wieso sollten die nicht mehr zu singen sein. Die Suche nach dem Blumen-Geburtstagslied macht mir zu schaffen. Das Lied ist  verschwunden, einzig der Refrain ist geblieben, aus dem Gedächtnis aufgeschrieben und im Liederbuch gleich am Anfang zu finden.

Dreißig Jahre sind eine lange Zeit. Die Suche nach diesem Lied, aber auch die nach den anderen Liedern aus den vergangenen Jahrzehnten geht weiter. Wegen der offensichtlichen Unvollständigkeit fiel die Entscheidung, das Liederbuch für Eisenhüttenstadt in Teile zu gliedern. Teil II könnte dann enthalten, was wir nach dem Druck des ersten Teiles an Hergebrachtem finden oder was die gegenwärtigen Dichter und Musiker schreiben. Das dürfte keine schlechte Herausforderung sein.

Die hier vorgelegte unvollständige Sammlung enthält vor allem Lieder aus dem Massenfestspiel »Blast das Feuer an«, insbesondere mit Texten von Helmut Preißler in der Vertonung von Siegfried Matthus, André Asriel, Günter Kochan und Günter Wendemuth. Einige Werke sind dem Programm zu den dritten Arbeiterfestspielen entnommen. Es fehlen die Lieder der Blumen-Revue und auch die zu den anderen Festen, es fehlen die Lieder, die außerhalb der Ensembletätigkeit entstanden sind. Aber es gab auch Glück bei der Suche. So hat, wenige Tage vor Fertigstellung des Manuskriptes, Peter Lein erfreulicherweise aus der Arbeit des von ihm geleiteten Pionier- und FDJ-Ensembles, dem heutigen Kinderund Jugendchor Eisenhüttenstadt, Werke von Günter Knippel in Vertonung von Hannes Häntsch für die Sammlung bereitgestellt: »Uns fehlt eine Oma«, und das »Loblied auf den Sonntag«, »Platz der Freundschaft« und weitere Lieder zum fünfundzwanzigsten Stadt- und Werkjubiläum. Auch Günther Fromm hat sich erfolgreich an der Suche beteiligt. Nicht jeder, der helfen wollte, konnte dies. Selbst Bürgermeister Werner war mit bei den Suchenden. Dieser 1. Band spiegelt den augenblicklichen Stand der Suche wieder. Er beschränkt sich vor allem auf Lieder zum 10. Geburtstag von Stadt und Werk sowie auf Werke des Pionier- und FDJ- Ensembles zum Fünfundzwanzigsten und einzelne Liedbeiträge. Möglicherweise ist die Sammlung mit Fehlern behaftet, für die wir um Verständnis bitten und um Hinweise für eine erneute Auflage. Manche der Autoren können wir nicht mehr befragen, und von manchen wissen wir den Aufenthalt nicht. So sind die »Lieder für Eisenhüttenstadt« ein Vorläufiges, das vielleicht helfen kann, Vergangenes zu finden und und nutzbar zu machen für die Gestaltung der Gegenwart.

Gewicht 0.45 kg

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