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Inga Prodeck – Im Wahnwitz des Lebens ,

Jörn Sack, 204 Seiten

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Dieser Text gibt sich als Autobiografie. Erklärt sie aber offen für fiktiv. Es schrieb sie ein Mann, der sich in Kopf und Seele einer Frau versetzte, die in vielem vielen Frauen ihrer Zeit glich. Ihre einzige Besonderheit: Sie war von Geburt so arm wie reizend. ‚Rheinfarben ihre Augen wie Sonnenlicht ihr Haar.‘ Nicht allein wegen ihrer Herkunft war Inga Raster, verwitwete Prodeck, kurzzeitig als Prodek verheiratet, verwitwete Hornung, eigentlich (ein seltsames Wort) nur wie fast alle Menschen Treibholz der Zeit, in der sie lebte. Insofern ist ihre Geschichte ein Stückchen Zeitgeschichte des vergangenen Jahrhunderts. Etwas besonders verlief ihr Leben schon, sonst würde es hier nicht von mir unter ihrem Namen erzählt. Die Zeit, in die wir geboren werden, ist höchstes, blindes Schicksal, wohl noch blind schicksalhafter als der Ort, an dem wir in die Welt gelangen. Eigentlich (!), was in diesem Zusammenhang heißt von ihrer Natur her, war Inga das, was wir heute eine gänzlich unemanzipierte Frau nennen würden. Man kann deshalb mit Fug und Recht fragen, inwieweit an der Darstellung ihres Lebens heute ein Interesse besteht. Doch ob sie es suchte oder nicht, ob sie es wollte oder nicht, ob sie sich dessen bewusst wurde oder nicht, die Wirklichkeit (eines der schönsten deutschen Wörter) formte sie zu einer eigenständigen, wenngleich nie freien Persönlichkeit aus. (Aber: Was heißt – eigentlich – frei? Wer ist es?)
Die Wirklichkeit, das waren neben den Zeitläuften eines Jahrhunderts in Deutschland für sie drei Männer – die auf die eine oder andere Art ihre Männer waren: ein nur wenig älterer hoher und fanatischer SS-Offizier; ein biederer, 20 Jahre älterer, wohlhabender Arzt; ein 15 Jahre jüngerer, eigentlich wider seinen Willen im Süßwarengeschäft sehr erfolgreicher Unternehmer, insgeheim eine Gelehrtennatur. Ingas Arbeitsstätten waren ein Postamt, ein Haushalt, ein Bordell, Arztpraxen, die sie reinigte, ein Haushalt, selbstgewählte Einsätze in Frankfurt als Bewährungshelferin und in Sierra Leone für Women’s Liberation, schließlich eine Tätigkeit als Repräsentantin in Accra und Abidjan für den genannten Unternehmer, ihren anhaltendsten, eigentlich immer fernen Geliebten. Er kam ihr erst nahe, als sie schon über 70 war. War ihr Leben nicht nur ausgefüllt, sondern das, was wir ein erfolgreiches nennen würden, weil sie eine Blendung und einen tiefen Sturz samt tiefer Erniedrigung ohne größeren seelischen Schaden überwunden, ihren vier Kindern Liebe gegeben und zweimal sehr heftige Liebe empfangen hat, schließlich Tätigkeiten von unbestreitbarer Verantwortung ausübte? Zu erlesen! Zu ermessen.

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